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Deiner tut nix? Meiner schon....

Jeder Hundehalter kennt die Situation, dass ein freilaufender Hund unkontrolliert zu anderen Hunden rennt. Die Frage ist nur, auf welcher Seite man steht.

 

In meinem Job erlebe ich oft die Seite: Ich brauche Hilfe, mein Hund hört nicht auf den Rückruf. Er rennt immer zu jedem anderen Hund hin.

Und diese Seite habe ich eigentlich zu 99 Prozent.

 

Nun finde ich es irgendwie komisch, dass in diversen Hundeforen immer wieder zu hören ist: "Unmöglich, mein Hund wird immer bedrängt von diesen Tut-Nixen. Meiner macht sowas nicht. Er ist schließlich erzogen und kann 1058 Kommandos!"

 

Natürlich sucht die erste Fraktion Hilfe bei mir, weil sie wahrscheinlich schon von der zweiten Fraktion nieder gemacht wurden. Ist ja auch irgendwie peinlich. 

 

Doch was sage ich dann meinen Kunden immer? "Sei Dir sicher, auch dieser Hundehalter hat irgendein Problem mit seinem Hund. Niemand ist unfehlbar." 

 

Mich persönlich stört diese Diskussion über freilaufende Tut-Nixe immer. Nicht wegen der Tatsache an sich, sondern wegen falscher Behauptungen. 

Die Tut-Nixe tun meistes wirklich nichts. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn die allermeisten Menschen sind einfach zu doof, um die Körpersignale der Hunde zu deuten.

 

Wie oft habe ich schon gehört:" Meiner ist ganz freundlich, mit wedelnder Rute, zu dem anderen Hund hingelaufen. Meiner wollte nur lieb Hallo sagen." Ne Beißerei gab es aber dann trotzdem unter den beiden Hunden. Und wer war schuld? Natürlich der andere Hund an der Leine, weil der zuerst zugebissen hat. 

 

Das der freilaufende Tut-Nix aber evtl. gedroht hat, der angeleinte Hund sich verteidigt hat, weil das andere Ende der Leine wieder mal gepennt hat, darauf kam dann wieder mal keiner. 

 

Und solche Missverständnisse gibt es überall, immer wieder und zum Leide der Hunde. 

 

Leider gibt es immer noch viele, viele Möchtegern-Hundefachleute, die genau solch falsches Wissen verbreiten.

 

Es gibt ja auch zahlreiche Tipps, wie man mit solchen Tut-Nixen umzugehen hat. Auch ich werde immer wieder  gefragt, was man in so einer Situation machen soll. 

Tja sorry, keine Ahnung. Ich bin ja nicht in der Situation. Es gibt nicht das Schema F, was man dann runter spulen kann. Woher soll ich wissen, welche Absichten der andere Hund hat? Welche Absichten hat Deiner? Wie gut bist Du in diversen Kampftechniken? Ei ja Leute, das alles muss man bedenken in solchen Situationen. 

 

Am geilsten finde ich den Tipp: Man werfe einfach eine volle Kackktüte dem Tut-Nix entgegen. Dieser wird dann sofort stehen bleiben, um sich den Geruch anzunehmen und man selbst kann dann das Weite suchen.

Ist echt war, dieser Tipp kommt von einer Hundetrainerin.

Also man kann es ja mal ausprobieren. Wahrscheinlich wird der Tut-Nix auch erst mal stehen bleiben und sich das Objekt anschauen. 

Doch was, wenn er damit fertig ist? So schnell ist man doch gar nicht außer Reichweite. 

Wenn man Glück hat, ist der Besitzer in der Zeit mal eingetrudelt. 

Aber mal ehrlich, dann müsste man ja immer einen voll gefüllten Kackbeutel in der Jackentasche mit führen. Vielleicht sammelt man für den Fall auch schon mal vor?

Lustige Vorstellung

 

Weitere Tipps sind Leckerchen entgegen werfen (könnte tatsächlich bei einem wirklichen Tut-Nix helfen, bis Besitzer ankommt), den Hund anbrüllen (das machst Du bei meinem Oskar nur einmal), sich schützend vor den eigenen Hund stellen und den anderen abwehren (viel Spaß bei großen, schweren Hunden), Leine einfach fallen lassen und schauen was passiert (klappt oft erstaunlich gut, vorausgesetzt, die Hunde sind sozial), kleinen Hund auf den Arm nehmen (ich beneide Kleinhundebesitzer) oder dem Besitzer zurufen: "Mein Hund hat Flöhe!" (juckt nur den Tut-Nix nicht).

 

Man kann gerne alles versuchen, je nach Situation. Aber man sollte halt auch wissen, dass all diese Tipps halt auch negative Seiten haben. 

Wenn ich meinen Hund an der Leine habe und einem fremden Hund Kekse entgegen werfe, sollte man daran denken, das Futter eine Ressource ist. Und das könnte eine eigentlich noch ganz ruhige Situation zum Knallen bringen. 

 

Einen fremden Hund anbrüllen kann man machen. Oft hat das auch Erfolg, denn die meisten Hunde sind dann verdutzt und halten inne, bleiben stehen oder gehen sogar weg. Aber woher will man denn bei einem Fremdhund wissen, was der so will? Dazu muss man schon geschult sein, aber das sind die meisten eben nicht. Außerdem widerstrebt es mir, einen Hund generell anzuschreien. Denn ich will ja nicht, dass der Hund lernt, andere Menschen sind scheiße. 

 

Den anderen Hund abwehren um den eigenen Hund zu schützen ist eine heldenhafte Vorstellung, klappt nur leider in der Praxis zu selten. Die Hunde sind einfach schneller und wendiger als wir. 

Denn man sollte bedenken: Warum will man eigentlich den anderen Hund abwehren? Oft ja, weil der eigene Hund ein Problem hat und evtl. attackieren könnte. Andersherum natürlich genauso. Wenn ein Hund meinen attackieren will, ich meinen aber schützen möchte, muss ich auch ein kleines Tänzchen absolvieren.

Und wer schonmal versucht hat, einen großen Hund, der mit aller Kraft nach vorne geht,  mit nur einem Arm festzuhalten, der kann sich denken, dass diese Methode nicht klappen kann. Bei zwei Chihuahuas geht das vielleicht noch, aber bei zwei Schäferhunden sieht die Sache da schon anders aus.

 

Die Leine fallen lassen......Das mache ich eigentlich immer in solchen Situationen. Wenn ein anderer Hund so lebensmüde ist und einfach zu meinen Hunden rennt, dann muss er halt auch mit dem Echo leben, fertig. 

 

Dies soll aber nun kein Patentrezept sein und der ultimative Tipp für alle. Das ist meine Erfahrung und ich kenne meine Hunde ganz genau, weiß, wie sie in jeglicher Situation reagieren und ich kenne die Körpersprache der Hunde! Ganz wichtiger Punkt! Der Körper des Hundes besteht nämlich nicht nur aus Schwanz und Nacken. Auch ein Hund der bellt, ist nicht immer aggressiv. 

Wenn ich mit einem meiner Hunde unterwegs bin, mein Hund an der Leine, und wir treffen auf andere Hunde, entscheide ich in sekundenschnelle, ob das geht oder nicht. Lasse ich Kontakt zu, ja oder nein? Kann ich Freilauf geben, ja oder nein? Geh ich in eine andere Richtung, ja oder nein? 

 

Kommt mir ein Tut-Nix entgegen, sehe ich schon, worauf dieser Hund aus ist. Und vor mir weiß das mein Hund und zeigt mir bereits, wie die Lage einzuschätzen ist. 

Gehen wir mal davon aus, es ist ein echter Tut-Nix. Freundlich, hört aber halt nicht. 

Dann lasse ich die Leine fallen oder locker, je nachdem. 

Ging bis jetzt, bei meinen Hunden, immer gut.

 

Ist es kein echter Tut-Nix, sondern ein Pöbler, ein Hund der meinen Hund beschädigen will, dann lasse ich auch die Leine fallen, denn es könnte sein, dass mein Hund zum Ausdruck bringen kann, dass der Pöbler sich verziehen soll. 

An der Leine hätte mein Hund keine Chance. 

 

Eine Ausnahme gibt es. Wenn ich weiß, mein Hund ist ein Schisser, haut bei jeder Kleinigkeit ab, dann leine ich nicht ab. Denn dann könnte passieren, dass mein Hund weg rennt, der andere hinter her, die Hunde sind nicht mehr im Einwirkungsbereich oder rennen auf eine Straße zu. Hier muss ich die Leine festhalten, aber schauen, dass keine Spannung drauf kommt. 

 

Aber bei einem Hund, der wirklich attackieren will, ist es egal, welche Methode man nimmt, es wird nichts bringen. 

Natürlich passiert nicht viel, wenn ein großer Hund von einem kleinen angegriffen wird, allerdings ist auch dies nicht zu unterschätzen. Der große könnte auf einmal doch umswitchen und den Kleinen attackieren. Oder der Große hat dann ein Problem mit kleinen Hunden. 

Andersherum sieht das schon anders aus. Groß gegen Klein, keine Chance. 

Daher würde ich einen kleinen Hund immer hoch nehmen, auch mit der Gefahr, dass ich dabei verletzt werde, weil der Hund mir in den Arm beißen könnte. Lieber habe ich eine Bisswunde, als das mein Hund tot ist. 

 

Auch greife ich bei einer Beißerei ein. Zum Glück hatte ich bisher nur sehr selten das Vergnügen.

Die meisten Attacken von Hunden sind Kommentkämpfe. Sieht schlimm aus, ist sehr laut, es fliegt auch mal Fell, aber keine ernsthaften Verletzungen. Sieht man oft bei Rüden. Ich sag dazu immer Kirmesschlägerei. Erst haut man sich wahllos eins auf die Rübe, danach geht man an die Theke ein Bier trinken. 

 

Natürlich darf man bei unseren Hunden das nicht verharmlosen, denn es gibt ja schließlich einen Grund, warum es dazu kam. 

 

Wenn man aber solche Kämpfe erkennen kann, muss man dabei auch nicht immer sofort eingreifen. Oft hören die Hunde von selbst damit auf. Natürlich immer den Größenunterschied bedenken!! 

 

Mein Oskar hat sich mal einen Cane Corso Rüden geschnappt, der ungebremst in unsere Gruppe gerannt ist. Oskar, Shila und die Hündin Kira von meiner Freundin waren zusammen auf einer Wiese und buddelten nach Mäusen. Ich bemerkte ca. 300 Meter entfernt am Waldrand einen freilaufenden Hund ohne Besitzer. 

 

So, was tun? Unsere Hunde anleinen und gehen? Was aber, wenn dieser Hund böse Absichten hat und einen von unseren Hunden angreift? Und die anderen Hunde ihn dann angreifen? Schöne Scheiße würde ich sagen. 

Wenn er freundliche Absichten hat? Dann ist alles gut und er darf sogar mit uns weiter laufen. 

Was, wenn einer unserer Hunde kein Bock auf den Eindringling hat? Tja, da sieht man mal, wie wichtig es ist, seinen Hund genau zu kennen. Meine Shila hätte niemals angegriffen. Mein Oskar nur, wenn er bedroht wird. 

 

Also einfach laufen lassen dachte ich mir. Meine Freundin war da etwas unruhiger als ich. Liegt am Charakter und am fehlenden Wissen. 

Nun gut, der Hund am Waldrand kam näher, in unsere Richtung. Unsere Hunde bemerkten ihn noch nicht. Auf einmal tauchte vom Wald eine Gestalt auf, Hände über den Kopf fuchtelnd. Ah, der Besitzer. Bemüht sich wohl gerade, seinen Hund zu rufen, ohne Erfolg. 

Der Hund blieb zwar kurz stehen, so als ob er sich für eine Richtung entschieden will, nahm aber dann Vollsspeed an und kam zu uns. 

Und genau in dem Moment hob Oskar den Kopf und erblickte den Hund. Mittlerweile erkannte ich auch den Hund, es war der Jungspund Djego. Ich war erleichtert, denn ich wusste, der macht nix. Ist halt noch ein Rohdiamant und muss geschliffen werden. 

Und Oskar übernahm schon mal eine Erziehungsmaßnahme, nämlich laufe niemals mit Affentempo ungebremst auf andere Hunde zu. Das ist unfreundlich. 

Es kam zu so einem Kommentkampf. Oskar warf Djego auf den Boden und blieb über ihm stehen, knurrte und biss immer wieder in den Hals. So sah das zumindest aus. Meine Freundin bekam auch fast einen Herzkasper, ich war die Ruhe selbst. Denn Oskar machte Scheinattacken, mehr nicht. 

Als Djego sich nicht mehr bewegte (nicht weil er tot war, sondern weil er Oskar mitteilte, ist ok, ich habs verstanden), ließ Oskar sofort ab, Djego rannte sofort zu seinem Frauchen, was mittlerweile auch näher gekommen war, und Oskar widmete sich wieder seinen Mauselöchern. 

Die beiden Weiber übrigens hielten sich komplett raus. 

 

Ich kannte Djegos Frauchen und sie war auch recht locker, kannte sie ja ihnen kleinen Lümmel recht gut. Djego hatte keinerlei Verletzungen. Daran sieht man auch als Laie, es war ein Kommentkampf. 

 

Eine Attacke mit Tötungsabsicht habe ich bisher mit meinen eigenen Hunden noch nicht erlebt. 

 

Wenn es doch mal dazu kommt, dass die Hunde sich fetzen und ich muss dazwischen, schaue ich immer, welchen Hund ich packen muss, wohin ich packen kann und welcher Moment am besten ist. Das ist nicht immer einfach, aber wenn man genau schaut, klappt das. Ich wurde bisher dabei noch nie verletzt. Normalerweise sollte der andere Besitzer dabei helfen, aber oft ist dieser noch weiter weg, oder er befindet sich in einer Starre. erlebe ich ganz oft, dass die Besitzer einfach nicht wissen, was sie machen sollen. Und bevor sie was falsch machen, erledige ich das lieber selbst. Nun gut, ich bin da auch etwas hart im nehmen. Und ich habe wohl die Gabe, in stressigen Situationen die Ruhe zu bewahren. das kann halt nicht jeder. 

Außerdem überlege ich nicht lange, ob ich mich verletzen könnte. Das ist mir in dem Moment unwichtig. Ich will halt meinen Hund nicht verlieren, ganz einfach. 

 

Aber nun mal zurück zu den Tut-Nixen. Es gibt sie haufenweise und sie können echt nervig sein, besonders, wenn man einen Problemhund hat. 

Und davon hab ich 4! Meine Hunde sind Leinenrambos. Im Freilauf sind sie oft nett zu anderen Hunden, sie sind verträglich und kennen Hundemanieren. An der Leine sieht das anders aus. 

Wir sind mittlerweile zwar ein eingespieltes Team  und wir haben das trainiert, allerdings gibt es noch viele anderen Hundebesitzer, die noch nicht so weit mit dem Training sind. Und durch solche Tut-Nixe werden sie jedes mal wieder zurück geworfen. Das ist frustrierend. 

 

Auch für Hunde, die Angst haben oder krank sind, ist das recht nervig und unschön. 

 

Für mich gibt es zwei Kategorien von Tut-Nixen:

 

1. Kategorie sind diese, die einfach nicht auf den Rückruf hören, zu jedem Hund hinrennen, meist freundlich gesinnt. Die tun wirklich nichts. Oft sind das noch junge Hunde, die einfach noch viel lernen müssen. 

 

2. Kategorie sind diese, die immer ohne Leine laufen. Egal wo. Die müssen nicht unbedingt ungehorsam sein. Sie laufen oft hinter oder vor Frauchen oder Herrchen herum, ohne zu anderen Hunden hin zu rennen. Ja, viele laufen sogar an anderen Hunden vorbei. Und weil sie so sind, dürfen sie halt ohne Leine laufen.

 

Am schlimmsten sind mir persönlich die Kategorie 2 Tut-Nixe. Denn diese haben oft überhebliche Besitzer, die meinen, sie wären was besseres, weil ihr Hund eben nichts tut. Die latschen einfach ihres Weges, müssen keine Rücksicht nehmen, weichen nicht aus. 

 

Was mir  auch immer wieder bei dieser Kategorie zu Ohren kommt: Diese Hunde wurden schon öfter mal gebissen. Meist natürlich von den bösen, bekannten Hunden aus der Gegend. Oft große Hunde. 

Das ist ein ganz typisches Phänomen.

 

Ich habe in meiner Nachbarschaft genau drei solcher Kategorie 2 Tut-Nixe. Alle drei finde ich total süß und die Hunde sind klasse. 

Aber besonders beliebt sind diese Hunde nicht bei meinen Hunden. 

Oskar kommt eigentlich mit jedem kleinen Hund klar. Nur nicht mit zwei von den dreien. Warum? Weil er von dem einen immer angebellt wird und die andere kleine Hündin droht im schon von weitem, indem sie kurz eine Lefze hoch zieht. 

Mein Lou hasst generell andere Hunde, von daher fliegt er hier raus.

Mein Henry, selbst klein, mag den Kläffer nicht. Rest ok, kann man gebrauchen.

Meine Lilly findet milde ausgedrückt, alle drei scheiße. Und wenn wir uns mal ohne Leine treffen sollten, was bisher noch nie passiert ist, garantiere ich für nix. 

Nun, ich will ja nix verschönen. Meine Hunde sind keine Engel. Und ich kenne diese Probleme von wild, frei herumlaufenden Hunden nur zu gut. 

 

Aber warum ist das denn so, mit der Kategorie 2? 

Na ganz einfach, diese Hunde sind sich selbst überlassen. Können lang laufen, wo sie wollen. Können machen, was sie wollen. Herrchen/ Frauchen bekommt nix mit. Keine feinen Körpersignale, nichts. 

 

Wenn der eine Nachbarshund, der ja sooooo lieb ist, draußen unterwegs ist und mit Herrchen seine Runde dreht, merkt man richtig, dass er kein Bock hat, an meinem Hoftor vorbei zu gehen (4 Hunde dahinter, die laut sagen: Verpiss Dich). Er bleibt vorher stehen, dreht und wendet sich, beschwichtigt, geht hin und her. Ich sehe, er hat ein Problem. Herrchen rafft das aber nicht und animiert seinen Hund, doch zu kommen. Irgendwann zischt der Kleine auch vorbei, mit geduckter Körperhaltung. Und das jeden Tag. 

So, und nun treffen wir uns draußen. Und wer die feinen Nuancen erkennt, sieht ganz schnell, dass der Tut-Nix sehr wohl was macht, nämlich drohen. Er knurrt leise und zeigt seine Zähne. Aber das sieht eben nicht sein Herrchen, weil er 10 Meter weiter gerade ein Schwätzchen mit dem Nachbarn hält. 

Und nun kombiniert man meine Hunde dazu. Oskar juckt das nicht, der lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Henry wird generell nicht angeknurrt, weil als nett eingestuft. Somit macht auch Henry nichts.

Lou würde sich den Kleinen wohl schnappen und ihn als Rammelkissen benutzen.

Krawallschachtel Lilly rastet komplett aus, wenn sie nur den einen Zahn von dem Tut-Nix sieht. Lilly hast diesen Hund wie die Pest. Wenn sie ihn zu fassen bekommen würde, dann wäre es wohl vorbei mit dem Tut-Nix. 

 

Aber was passiert in der Umwelt? Wer fällt auf? Natürlich meine Lilly. Groß, an der Leine (für viele Menschen ist dies ein Zeichen für Ungehorsam, wenn ein Hund an der Lene geführt wird. Erst recht in einem kleinen Dorf am Rande des Westerwaldes. Das dies auch mit Anstand zu tun haben könnte, geht nicht in die Köpfe rein), bellend. 

Doch das der kleine Fiffi angefangen hat, undenklich. Der ist doch so brav und tut niemanden was. Jo, herrgott. Der tut auch nix. Aber droht halt lautlos, regt damit andere Hunde auf. 

Mich persönlich stört das gar nicht, dass der Kleine da frei herum läuft. Mit meinem Oskar und meinem Henry klappt das ja auch gut. 

 

Doch leider ist so ein Hund wie Lilly schnell abgestempelt. 

Mit der Zeit brachte mir das aber in der Nachbarschaft erhebliche Vorteile: Kommt Lilly, halten die Abstand und warten, bis wir vorbei sind. Und ich mache das dann auch. Sehe ich einen der Tut-Nixe, warte ich oder gehe in eine andere Richtung. 

Das klappt gut und wir Menschen verstehen uns auch, zumindest bei diesem Thema. 

 

Das ist aber auch nur so, weil ich mir denke, ich werde die Anderen nicht ändern. Ich kann eben nur das Beste für meinen Hund machen, eben so wenig wie möglich der Situation aussetzen. Und ich lasse gerne die Besitzer in ihrem Glauben, dass ihr Hund ja ein Engel ist. Denn im Grunde tun sie einem ja wirklich nichts. 

 

Doch wozu es führen kann, wenn man den Hund immer machen lässt, was er will, zeigt ein Vorfall mit meiner Hündin Shila.

Shila war die Seele eines Hundes, nie bösartig zu Mensch und Hund. 

Shila hörte sehr gut auf mich und konnte somit auch viel Freiheit genießen.

Eines Tages liefen wir durch den Wald. Shila schnupperte im Gebüsch herum. Auf einmal kam ein kleiner Hund auf uns zu, der Besitzer so 10 Meter entfernt. 

Gut, nix dramatisches erst Mal. Shila bemerkte die Hündin auch, erhob kurz den Kopf, machte dann aber ihr Ding weiter. 

Die kleine Hündin schnupperte auch am Boden herum, wahrscheinlich roch es dort sehr gut. Der Besitzer kam ganz langsam in unsere Richtung. Auf einmal knurrte die kleine Hündin in Richtung Shila, was aber ihr Besitzer nicht hörte, da noch zu weit weg. 

Shila schaute zur Hündin, ich beruhigte Shila mit dem Entspannungssignal. Shila wendete den Blick von der Hündin weg und ging auch weiter. 

Die Hündin lief Shila knurrend hinter her. Der Besitzer war mittlerweile auch eingetroffen. Als Shila dann zurück knurrte, schrie der Typ meinen Hund an und trat nach Shila.

Aus Reflex attackierte Shila dann die Hündin, nur kurz, um dann das Weite zu suchen. Shila hatte Angst, weil sie von ihrem Vorbesitzer ebenfalls geschlagen wurde. Der Typ hob einen Stock hoch, wahrscheinlich um damit auf Shila einzudreschen.

Und bei mir schaltete sich ein Schalter aus (gute Manieren) und ein Schalter ein (Aggression). Ich vergaß alles und ging auf den Mann zu. Ich schubste ihn packte ihn am Kragen. Ich brüllte ihn an und meinte, sollte er noch einmal einen meiner Hunde anfassen, anschreien oder auch nur daran denken, würde ich ihn kalt machen und seine Frau mit dazu (kannte ich schon von vorherigen Spaziergängen. Gleiches Kaliber). Ich befahl ihm, den Stock fallen zu lassen, sonst würde ich ihn den Abhang runter schubsen (hinter uns ging es etwa 5 Meter steil bergab). 

Der Mann war richtig erschrocken und bewegte sich nicht. Ich war erschrocken von mir selbst, denn wenn der Mann gewollt hätte, dann wäre ich wohl im Krankenhaus gelandet. 

Aber der Gedanke, dass meine Shila vor Panik weggelaufen ist, machte mich irre. Zumal sie sich ganz normal verhalten hat, ebenso wie die kleine Hündin. Nur hatte die kleine Hündin eben keinerlei Hilfe. 

 

Das Ende von der ganzen Sache ging unbeschadet aus. Shila wartete etwas weiter weg auf mich, war unverletzt. Auch die kleine Hündin hatte keinen Schaden. Doch jedes mal wenn wir uns danach begegneten, leinte der Mann seine Hündin an. Wir redeten nie wieder ein Wort miteinander, ließen uns aber auch gegenseitig in Ruhe, was mir sehr recht war, denn dieser Typ hatte einfach einen an der Waffel.

 

Keiner der Hunde hatte hier einen Fehler gemacht. Wahrscheinlich ging es um irgendeine Ressource, tolle Schnüffelstelle, toller Duft. Im Nachhinein hätte ich auch Shila einfach von dort weg holen müssen. 

Und wenn der Mann nicht geschrien hätte, wäre es wohl anders gelaufen.

Hätte, hätte Fahrradkette..... Aber auf einen Hund lostreten, der noch nicht mal angegriffen hat, ist schon ziemlich dämlich. 

 

Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen Hundehalter, die ihren Hund immer frei laufen lassen. Vorausgesetzt, man achtet auf seinen Hund, achtet auf andere Hunde und Menschen und man ist in der Lage, in brenzligen Situationen richtig zu handeln. 

Auch davon kenne ich viele. 

 

Selbst wenn im Freilauf mal ein Hund auf uns zu gerannt kommt, bekomme ich keine Panik oder beschimpfe die Besitzer. Denn wenn ich nicht rechtzeitig reagiere, kann mir das auch passieren. 

Keiner meiner Hunde hört zuverlässig zu 100 Prozent auf den Rückruf, erst recht nicht bei bestimmten Auslösern. 

Nur weil ich Hundetrainerin bin, heißt das nicht, dass ich Musterschüler habe. 

 

Meine Hunde hören für mich und meiner Situation recht gut. Ich kann froh sein, dass sie keine Monster geworden sind. Aber gerade der Auslöser Fremdhund ist auch bei uns ein Thema. 

Ich achte schon sehr darauf, dass meine Hunde niemanden belästigen oder nicht einfach so zu fremden Hunden rennen. Auch sind meine Hunde viel an der leine, im Dorf sowieso. 

 

Wenn wir hier oben schönes Wetter haben, oder es liegt viel Schnee, so wie gerade, dann sind hier sehr viele Wanderer, Spaziergänger, Burgbesucher. Viele haben Hunde dabei. 

Ich habe dann zwei Möglichkeiten. Entweder ich packe meine Hunde ins Auto und fahre weg, oder ich nehme dies gezielt als Training.

 

Aber wenn ich weiß, es könnten mir im Wald fremde Hunde entgegen kommen, nehme ich meine Hunde entweder an die lange Leine, oder ich muss eben noch mehr vorausschauen. 

Bei mir kommt es auch auf den Hund an. Mein Henry hört bei sowas gar nicht. Es wurde nie trainiert. Aber Henry rennt auch nicht mit einem Affentempo zum anderen Hund hin. er geht gucken. Auf Abstand checkt er die Lage. Ist der Hund freundlich, geht er hin, ist der Hund nicht freundlich, geht er wieder weiter oder kommt zu mir.

Lou ist bei anderen Hunden im Freilauf abrufbar, genauso wie Lilly. Vorausgesetzt, ich sehe die Hunde vorher. Lilly rennt aber auch nicht einfach hin. Sie stoppt ab und guckt mich dabei oft an, sie holt sich quasi das ok. 

Lou schnappt sich, wie schon erwähnt, jeden Hund und benutzt ihn erst mal als Rammelkissen. Das ist seine Strategie zum Stressabbau. Dumm nur, dass sich das halt nicht jeder Hund gefallen läßt, also vermeide ich mit ihm eigentlich solche Begegnungen. Lou kann einfach nicht mit anderen Hunden umgehen. 

Oskar ist da unterschiedlich. Seit wir Anti-Jagd-Training machen, klappt das mit den Signalen im Freilauf auch besser. Aber auch bei ihm ist es wichtig, dass ich den Hund vorher sehe. 

 

Bei all meinen vier Hunden ist auch der Abstand und die Gegend entscheidend. Wenn der fremde Hund weit genug weg ist, so ca. 30 Meter, klappt das alles und ich muss noch nicht mal anleinen oder rufen. In fremden Gegenden klappt das auch besser.

Zuhause ist halt immer so eine Sache. Die Hunde dort sind ja auch viel interssanter, weil man sie entweder hasst oder es Kumpels sind. 

 

Aber auf jedenfall bin ich jemand, der niemals andere Hundehalter dafür verachten würde, nur weil der Hund mal nicht hört. Mir macht das nichts, wenn mir ein Hund entgegen kommt. Ich bin da entspannt und begrüße den Fremden auch meist. Und mittlerweile habe ich den Eindruck, dass es den allermeisten Hundehaltern genauso geht. 

Denn mal ganz ehrlich, welcher Hund hört schon perfekt? Keiner. Wer von sich behauptet, sein Hund ist noch nie abgehauen, zieht niemals an der Lene, rennt keinem Reh hinter her, hat noch nie was kaputt gemacht, hat noch nie jemanden angesprungen, bellt und knurrt nicht, der lügt. Oder er redet von seinem Stofftier. 

 

Deshalb finde ich es ja so komisch, wie anfangs erwähnt, dass man in den Foren überall nur perfekt erzogenen Hunde vorgestellt bekommt, ich aber zig Kunden habe, die genau das aber trainieren wollen. 

 

Mensch Leute, bleibt doch ehrlich und gebt auch mal Fehler zu, anstatt immer über die Fehler anderer zu meckern. 

 

Eine Bekannte erzählte mir vor Kurzem, sie wäre mit ihren Hunden laufen gewesen, weiter weg sah sie eine Frau, die mit ihren Hunden auf einer Weide war und den Zaun absteckte. Die Hunde waren frei und als sie den Hund meiner Bekannten sahen, rannten sie auch in deren Richtung. Die Frau rief: "Das sind Bauernhofhunde, die hören eh nicht." Wenn ich dieser Frau begegnet wäre, ich hätte sie gefeiert. Das ist doch mal eine ehrliche Aussage. Fand ich klasse. 

Aber wahrscheinlich wird es jetzt wieder diese Besserwisser geben, die sagen, wenn Hunde nicht hören, dann müssen sie an die Leine, buhu. Jo, wenn ich sehe, was mir im täglichen Verkehrswahnsinn alles über den Weg fährt, dann müsste ich auch zu 80 Prozent der Autofahrer sagen: "Wenn Du kein Auto fahren kannst, dann solltest Du es stehen lassen."

 

Wenn ich nun mal an die Hunde hier in Greifenstein denke, fällt mir kein Hund ein, der nicht irgendein Problem hat. also, die meisten hier sind wirklich liebe Hunde. Ich glaube, von keinem geht eine wirkliche Gefahr aus. Natürlich habe ich schon von Beißvorfällen gehört, aber da bin ich eh immer skeptisch, weil eben die Leute die Situation falsch einschätzen. 

Aber eine richtige Hundebestie läuft hier wohl nicht herum.

 

Doch kleine Probleme haben sie alle. Hier gibt es eine Frau, die hat eine Hündin aus dem Tierschutz. Eine ganz liebe Maus, läuft schön brav immer mit Frauchen, oft ohne Leine, rennt nicht zu anderen hin,. Super, oder? Aber die Hündin ist ein Angsthund. 

 

Dann der Bruder von meinen beiden. Ein ganz toller, lieber Rüde, der Kinder und andere Menschen mag. Einfach ein toller Kuschelbär. Leider kann er über hohe Zäune springen und spaziert dann schön im Dorf herum.

 

Die Mali-Hündin. Läuft perfekt an der Leine, ich hab noch nie erlebt, dass sie Zug auf der leine hat. Selbst an anderen Hunden läuft sie ordentlich vorbei. Leider attackiert sie im Freilauf andere Hunde.

 

Der mittlerweile ausgewachsene Djego. Läuft mittlerweile auch gut an der Leine, freut sich über jeden, der mit ihm spielen will, mag es gekuschelt zu werden, ist Zuhause ein ruhiger Vertreter. Aber wehe dem, er trifft auf unkastrierte Rüden.

 

Der süße, verspielte junge Labrador aus der Nachbarschaft. Flauschig, wild, tollt gerne mit Kindern, noch zu jedem Hund freundlich, alle Menschen sind klasse. Aber Rückruf klappt nicht, an der leine wird gezogen, Zuhause wird alles zerfetzt.

 

Ich könnte die Liste beliebig lang weiter führen, ich würde bei jedem Hund etwas finden.

 

Und das ist auch normal. 

 

Ich wurde mal von jemanden gefragt, mit dem ich mich nicht unbedingt gut verstand, ob ich mir mal Gedanken darüber gemacht hätte, wieso gerade meine Hunde immer aus der Reihe tanzen würden. 

Ich wußte, worauf er hinaus wollte, er zielte auf meine Trainingsweise ab. Er war der Meinung, weil ich Problemhunde hab, müsste ja am Training was falsch sein.

Ich antwortete: "Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ich weiß warum das so ist. Erstens tanzen meine Hunde nicht aus der Reihe, sie verhalten sich in bestimmten Situationen für uns unangebracht, aber 

aus Hundesicht normal.

Zweitens habe ich mir dies bewusst ausgesucht. Ich arbeite doch nicht mit Problemhunden und suche mir dann einen Hund aus, der normal ist. Und außerdem, für mich sind die Probleme meiner Hunde schon fast zu langweilig. Und stören tut es mich auch nicht. Und ich bin übrigens heilfroh, dass meine Hunde bei mir gelandet sind und nicht bei Dir, denn sonst wären sie zu einer Waffe geworden."

 

Dieser Mensch gehörte zu der aversiv arbeitenden Trainergruppe. Diese verstehen oft nicht, dass nicht das Training auf alle Hunde passt. Außerdem nutzen sie positive Strafe im Training, was ich vehement ablehne. Diese behaupten auch mal ganz gerne, dass sie selbst ihren Hunden die Probleme abtrainiert hätten. 

das dies gar nicht möglich ist, raffen die nicht. Man kann es nur in geeignete Bahnen lenken, umlenken oder managen. 

 

Also meine Lieben. Schaut mal, welche Kategorie von Tut-Nixen ihr Zuhause habt und versetzt Euch mal in die Lage der anderen. Haut Euer Hund mal wieder ab zu einem anderen, ruft nicht: "Der tut nix!" Geht so schnell wie möglich hin, entschuldigt Euch, sagt evt. ihr seit noch im Training, und geht dann weiter mit Eurem Hund. 

Vielleicht ist der Gegenüber aber ja auch nett und ihr könnt Euch bisschen unterhalten oder zusammen laufen, Glück gehabt. So eine wäre ich...

 

Wenn ihr aber zu der 2. Kategorie Tut-Nix-Haltern gehört, solltet ihr Euch mal schleunigst weiterbilden. Denn Eurem Hund tut ihr keinen Gefallen, wenn er machen kann was er will. Das war vor 30 Jahren vielleicht mal so, mittlerweile geht das nicht mehr. Rücksichtnahme ist das A und O. 

Es ist nicht ok, sich über andere lustig zu machen, weil deren Hund nicht in die Norm passt. Es ist auch nicht ok, Hunde zu verurteilen, die an der Leine ausrasten. Generell halte ich nichts davon, den Hunden die Schuld zu geben. Es ist immer der Mensch, der es verbockt hat. 

 

Und zu den Tut-Nix-Haltern in meiner Nähe kann ich sagen: Ich mag Euch. Ehrlich. Ich mag auch Eure Hunde. Nur meine Hunde mögen Eure halt nicht. Seit froh, dass ihr so liebe und einfache Hunde habt. Ich wünsche Euch, dass ihr immer wieder an solche Hunde kommt, dass ihr immer soviel Glück habt mit der Wahl Eures Hundes. Ich hoffe für Euch, dass ihr niemals eine Lilly oder einen Oskar bekommt. 

 

Sollte das doch mal der Fall sein, werde ich diejenige sein, die still und heimlich in sich hinein lächelt, stolz mit meinen Hunden vorbei geht und dankbar sein, dass ich durch mein Wissen immer meine Hunde unterstützen konnte.

 

Wenn ihr Hilfe bei Euren Tut-Nixen braucht, meine Telefonnummer steht hier auf meiner Seite.

 

In diesem Sinne, bis bald.

 

Eure Diana und ihre Hundeschnauzen