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Welpengruppen - oder wie erziehe ich mir einen Problemhund


Es ist für mich total verständlich, wenn man mit seinem Welpen unbedingt die große, weite Welt erkunden möchte. Dazu gehören auch die sogenannten Welpenspielgruppen in einigen Hundeschulen. Dort kann man mit seinem Welpen ab der 8. Woche dran teilnehmen. Hier soll der Welpe Kontakt zu anderen Welpen bekommen, damit er gut sozialisiert wird. Auch kann er hier spielen und sich mal so richtig austoben. Hört sich doch toll an, oder?

 

 

Leider läuft dies meist so ab:

 

Alle Welpen sind in einem Freilaufgelände, wo sie unkontrolliert zusammen gesetzt werden. Meist bis zu 10 Welpen. Sie werden sich selbst überlassen, die Besitzer stehen meist nur dabei und erfreuen sich darüber, wie schön doch der eigene Welpe gerade über die Wiese rennt oder dem anderen Welpen in den Hals beißt. Dauer solch einer Welpenspielstunde meist so 1 Stunde. Danach das Kaffeetrinken und den gegenseitigen Austausch der Besitzer nicht vergessen.

 

 

Jetzt sage ich Euch, warum ich davon nichts halte:

 

 

-          10 Welpen auf einem Haufen ist viel zu viel. Der Trainer hat überhaupt keinen Überblick mehr, kann gar nicht auf jeden Welpen einzeln eingehen.

 

-          Eine Stunde Dauerbespaßung ist viel zu lange für einen Welpen.

 

-          Unkontrollieretes zusammen setzen ist viel zu gefährlich

 

-          Welpen lernen nichts von anderen Welpen, dies erfolgt bereits bei den Geschwistern beim Züchter

 

-          Die Besitzer lernen auch nichts dabei, außer wie man am besten seinen Welpen von einem anderen Welpen runter holt

 

-          Diese Art des „Trainings“ fördert Angst, Unbehagen, Hetztrieb, Mobbing, Jagdverhalten. Die Hunde lernen, wie man sich verteidigen kann und wo man richtig hin beißen muss, damit man sich andere vom Hals hält.

 

-          Die Welpen lernen, dass sie alleine auf sich gestellt sind und sich nicht auf ihren Besitzer verlassen können.

 

-          Die Welpen werden hochgepuscht und nicht beruhigt

 

-          Mit 8 Wochen sollte kein Welpe schon in diese Gruppen gebracht werden. Höchstens mit 10, besser mit 12 Wochen erst. Und auch erst dann, wenn der Welpe sich Zuhause eingelebt hat.

 

 

Eine ganz schön lange Liste, nicht? Aber es ist nun mal Fakt. In den meisten Welpenspielstunden werden die Hunde eher versaut, als das sie wirklich was dabei lernen.

 

Es gibt unterschiedliches Spielverhalten unter den Rassen. Die Retriever spielen eher grob, sind eher die Bodychecker und man sieht sie eher selten dabei, wie sie über den Platz rennen. Dafür sind dann eher die Windhundrassen da oder auch die Hütehundrassen. Diese lieben zum Beispiel das Hetzen. Setzt man nun zwei Welpen dieser Rassen zusammen, kann man ein Problem bekommen. Der eine hetzt gerne, der andere will sich aber lieber im Boxring vergnügen.

 

Es ist jetzt nicht generell unmöglich, diese beiden Welpen zusammen spielen zu lassen, nein. Man sollte nur aufpassen, dass der Retriever nicht zu sehr gehetzt wird und dadurch Angst bekommt. Oder man muss eben auch schauen, dass der Retriever nicht den Border Colli ständig überrempelt und in die Seite knufft. Auch hier könnte es für den Border Colli unangenehm werden.

 

Dies gilt übrigens generell für alle Welpen. Es darf nicht passieren, dass ein Welpe von drei weiteren gehetzt wird. Dies ist kein schönes Erlebnis, wie man sich bestimmt vorstellen kann. Hier sollte eigentlich der Trainer eingreifen und den Besitzer darin schulen, seinem Hund behilflich zu sein. Genauso sollten die Besitzer der hetzenden Hunde dem ein Ende setzen.

 

 

Stell Dir nun mal folgendes vor, aus der Sicht eines kleinen Welpens:

 

Du gehst mit deinem neuen Besitzer, den Du noch nicht so gut kennst, zu einem ganz tollen Platz. Dort riecht es ganz anders, überall nach Hund. Wie toll.

 

Dann siehst Du auf einmal andere Hunde, die sind alle ungefähr so alt wie Du. Irgendwie ist Dir etwas mulmig zu mute, da Du diese ja nicht kennst. Und so richtig weißt Du auch nicht, wohin Du sollst, wenn Gefahr droht. Ist Dein neuer Besitzer vertrauenswürdig? Kommt der mit der Situation klar? Mhmmm…… Aber trotzdem bist Du neugierig, willst ja wissen, wer das da so ist.

 

Nun gut, mutig gehst du auf einen anderen Hund zu und wartest, was passiert. Der andere kommt Dir entgegen, er scheint freundlich zu sein. Ihr begrüßt Euch und versteht Euch ganz gut. Ach, eine kleine Runde spielen ist ja ganz toll.

 

Du und Dein neuer Freund versteht Euch ganz gut, Du bist erleichert, dass Du einen neuen Kumpel gefunden hast. Auf einmal nähert sich ein anderer Hund. Dieser will auch mal "Hallo" sagen. Doch irgendwie scheint dieser nicht so nett zu sein. Er rempelt dich ständig an und Du bekommst langsam Angst. Hilfesuchend schaust Du Dich nach Deinem neuen Besitzer um, kannst ihn aber nicht entdecken. Du entscheidest Dich dafür, lieber vor dem Hund wegzulaufen. Doch leider rennt er Dir hinter her und wird immer schneller. Panik steigt in Dir hoch. Keine Hilfe in Sicht. Die einzigste Möglichkeit, die Du jetzt noch hast: Du musst Dich wehren. Und das tust Du auch. Du bleibst stehen und beißt den anderen Hund.

 

Dieser fängt an zu jaulen und geht weg. Juhu, Erfolg! Das mach ich beim nächsten Mal auch so.

 

 

Was sagt Dir das? Was hat der Hund nun gelernt in dieser tollen Welpenspielstunde? Richtig, er hat gelernt, andere Hunde zu beißen, damit sie ihm nicht zu nahe kommen. Klasse.

 

Ich bin nicht generell gegen Welpenspielstunden. Aber gegen solch schlecht geführte. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe selbst solch eine  Hund gehabt, der dadurch so richtig unsozial geworden ist. Das ist mir eine Lehre gewesen.

 

 

Nach diesem Hund habe ich noch vier weitere Hunde bekommen. Drei davon haben noch nie eine Welpenspielstunde besucht. Und sind trotzdem ganz normale Hunde. Mein Oskar war in einer gut geführten Gruppe. Außerdem hatte er den Vorteil, dass ich mich recht gut auskannte und genau wußte, was zu tun ist. Oskar ist heute ein sehr souveräner und selbstsicherer Hund, den fast nichts aus der Ruhe bringen kann.

 

 

Das Sozialverhalten lernen Welpen eben nicht von Welpen, sondern von erwachsenen Hunden. Daher finde ich es viel wichtiger, wenn der Welpe Kontakt zu freundlichen, verträglichen, erwachsenen Hunden hat. Dies ist viel lehrreicher für ihn.

 

 

Wenn man sich doch für eine Welpenspielgruppe entscheidet, dann sollte man auf folgende Dinge achten:

 

 

1.      Die Gruppe sollte klein sein. Nicht mehr als 5 Welpen.

 

2.      Die Spielpartner sollten zusammen passen. Sinnvoll kann es sein, die Welpen nach Größe nocheinmal zu  unterteilen. Ein kleiner Zwergspitz und eine Deutsche Dogge sind nicht unbedingt die idealsten Spielpartner.

 

3.      Die Welpen sollten stets beaufsichtigt werden und nicht unkontrolliert herum laufen

 

4.      Spielen ist erlaubt, aber nur kurze Einheiten und nur mit zwei Welpen. Die anderen müssen warten.

 

5.      Es sollten immer wieder Pausen eingelegt werden, damit die Welpen nicht überfordert werden

 

6.      Bei langen Spielphasen steigt die Wahrscheinlichkeit von unerwünschten Verhalten

 

7.      Vorauschauend handeln

 

8.      Es sollte immer ein freundlicher Umgangston herrschen

 

9.      Der Trainer sollte auf jedes Hund-Mesch-Team einzeln eingehen

 

10.  Der Trainer sollte auf Trainingsmethoden verzichten, die Angst auslösen, wie z.B. Bestrafung durch Einschüchterung (Schnauzengriff, Alphawurf), Kneifen, Treten, lautstarkes Schimpfen, Leineruck, Stachelhalsband, Sprühhalsband, Wurfketten, Elektrohalsbänder usw.

 

11.  Mensch und Hund lernen gemeinsam. Der Halter wird geschult in Körpersprache und Mimik des Hundes, werden angeleitet, wann sie rechtzeitig eingreifen müssen.

 

12.  Entspannungtechniken werden gelernt

 

13.  Auch kleine Erziehungsübungen wie Sitz und das Herankommen können schon spielerisch gelernt werden

 

 

Wenn dies alles gegeben ist, kann man beruhigt auch mit seinem Welpen in eine Welpenspielgruppe gehen. Aber man darf auch nicht erwarten, dass dort der Welpe erzogen wird. Dafür ist man schon selbst verantwortlich, denn das richtige Leben findet nun mal draußen in der Umwelt statt und nicht auf einem Hundeplatz.

 

In diesem Sinne - überlegt Euch genau, wie Ihr Eurem kleinen Racker die Welt zeigen wollt und steht ihm immer helfend zur Seite.

 

Eure Diana mit ihren Hundeschnauzen