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Das alljährliche Leid meiner Hunde: Silvester - und wie ich damit umgehe

Viele Menschen freuen sich schon das ganze Jahr über auf DAS Ereignis - Silvester. Oft werden im Sommer schon Pläne für diesen einen Tag gemacht. Manche fahren in den Urlaub, manche planen eine große Party, andere wieder feiern im kleinen Kreis mit Freunden und Familie.

 

Und was mache ich? Ich leide. Leide mit meinen Hunden und den vielen anderen Tieren, die Panik vor den lauten Geräuschen haben. Jedes Jahr auf´s Neue sage ich meinen Bekannten, dass ich das Haus nicht verlassen werde und auch zu keiner Party gehen kann. 

In den Urlaub würde ich gerne fahren, nur wohin? Wo ist es am 31.12. um 00:00 Uhr still?

 

Ich als Hundebesitzerin bin mit diesem Thema nicht alleine. Viele Hunde haben Angst vor den Böllern, dem Krach und dem Gestank. Und so kommt es natürlich auch, dass es zahlreiche Tipps gibt, wie man dem Hund Silvester erleichtern kann. Leider sind die meisten völliger Quatsch.

 

Es wird geraten, dem Hund Beruhigungstabletten zu geben. Ja, das erleichtert zwar dem Besitzer den Abend, aber nicht dem Hund. Denn die Ursache, nämlich die Angst, wird dadurch nicht schwächer. Die Tabletten machen den Hund einfach nur handlungsunfähig, mehr nicht.

 

Manch andere Tipps sind gar nicht mal so schlecht, nur für mich nicht umsetzbar. Letztens habe ich z.B. gehört, dass man mit dem Hund einfach auf eine Raststätte auf der Autobahn fahren soll. Da wird nicht geballert. Gar nicht mal so verkehrt, aber mit 5 Hunden im Auto auf einer Raststätte in der Kälte stehen? Kommt für mich nicht in Frage.

 

Weiterhin gibt es noch Entspannungstraining. Wozu ich auch sehr tendiere, allerdings nur, wenn es lange, lange vor Silvester aufgebaut wurde. Ich finde es immer wieder interessant, dass die Hundehalter erst mit dem Problem vier Wochen vor dem Tag um die Ecke kommen. Und dann wird sich am Ende gewundert, warum es nicht funktioniert. Es gibt viele gute Möglichkeiten, dem Hund den Stress erträglich zu machen. Mit einem Entspannungssignal, einer Entspannungsdecke, einem Entspannungsduft und dem Relaxodog. Doch dies hat alles nur Erfolg, wenn man früh genug beginnt, dies zu trainieren, am Besten schon am Anfang des neuen Jahres.

 

Dann wird geraten, den Hund bloß nicht zu betütteln, denn das würde ja die Angst noch zusätzlich verstärken, so nach dem Motto: Ja, wenn Du Deinem Hund auch noch in den Arm nimmst und ihn betätschelst, dann denkt er ja , er hat recht mit seiner Angst. Und beim nächsten Mal wird es schlimmer. Am besten ist es, man beachtet den Hund gar nicht, dann merkt er, es passiert nichts schlimmes.

Dieser Ratschlag ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Man stelle sich einfach nur mal selbst vor, man hat extreme Angst vor irgendetwas und neimand hilft. Man wird einfach alleine gelassen. Schlimm oder?

Leider erlebe ich aber genau das sehr oft.

 

Aber das Grausamste, was ich  bisher gesehen habe, war eine Trainingseinheit auf einem Übungsgelände irgendwo in den USA. Die Hunde wurden angeleint ins Sitz oder Platz gebracht und mussten warten. Nach 5 Minuten gingen auf einmal direkt neben den Hunden Knallfrösche hoch. Wenn ein Hund vor Schreck aufgestanden ist, wurde er noch angeschriehen, wieder runtergedrückt oder sogar geschlagen, wenn er in Panik weg laufen wollten.

Was hierbei der Sinn sein soll, werde ich nie verstehen. An Grausamkeit nicht zu überbieten und zeigt wieder mal, wie wenig Erfahrung Menschen im Umgang mit sozialen Lebewesen haben.

 

Aber was ist denn nun mein Weg?

 

Ich habe über die Jahre festgestellt, dass es für meine Hunde am besten ist, wenn ich ihnen körperliche Nähe gebe. Ich setze mich mit ihnen auf die Couch, mache alle Rolläden dicht, mein Oskar darf noch unter die Decke und ich drehe meine Musikanlage auf volle Lautstärke.

Ja wirklich, laute Musik sind meine Hunde gewöhnt und bleiben dabei ruhig. Zudem dämpft die Musik das laute Knallen von draußen.

Ich wohne ja eigentlich sehr ländlich und ruhig. Aber an Silvester wird immer auf der Burg Greifenstein gefeiert. Und ich wohne direkt unten drunter. Das bedeutet, fast eine Stunde müssen wir das Geballer aushalten.

 

Und das ist leider auch der Grund, warum ich keine Desensibilisierung anfangen kann. Ich kann nicht mit einer Geräusche-CD meine Hunde an das Geknalle gewöhnen. Denn Feuerwerke finden auf der Burg des Öfteren statt, nämlich an Hochzeiten oder anderen Veranstaltungen. Und ich weiß nie, wann dies geschieht. Somit ist für mich der Reiz (Knallgeräusche) nicht steuerbar. Und bei einer Desensibiliesierung muss der Reiz vorhersehbar sein und darf nicht einfach plötzlich auftauchen.

 

Somit bleibt mir nichts anderes übrig, irgendwie die Feuerwerkszeit so angenehm wie möglich für meine Hunde zu machen.

 

Natürlich bedeutet das auch für mich, niemals an Silvester Party. Ich bleibe jedes Jahr Zuhause bei meinen Hunden. Das macht mir aber nichts aus, denn mir geht dieser ganze Kram gehörig auf die Nerven. Wenn ich feiern gehen möchte, dann kann ich dies das ganze Jahr über. Außerdem ist es für mich persönlich unverständlich, warum man so viel Geld für so viel unnützes Zeug ausgeben kann.

Und mir würde nie in den Sinn kommen, meine Hunde dann alleine zu lassen. Auch eine Feier bei mir Zuhause kommt nicht in Frage, denn das würde meine Hunde noch zusätzlich stressen.

 

Oskar ist mein erster Hund mit Geräuscheangst. Als ich miterleben musste, wie er voller Panik völlig durchdrehte, tat er mir unendlich leid. Ich wußte damals aber nicht so recht, was ich machen soll. Ich streichelte ihn zwar und wollte ihn beruhigen, aber es half nicht.

Ein Jahr später bekam ich Hilfe. Und zwar von Shila, meiner zweiten Hündin. Shila hat gar keine Angst an Silvester. Sie bleibt völlig entspannt. Und als es dann wieder mal soweit war und das Geballere losging, lief Oskar wieder bellend und völlig verängstigt auf und ab, pinkelte unter sich und zitterte am gangen Körper. Shila lag aber total gechillt auf meinem Bett und schlief.

Ich setzte mich zu Shila auf´s Bett und hoffte nur, dass alles schnell vorbei geht und Oskar sich wieder abregt. Auf einmal sprang Oskar auch auf das Bett und legte sich hin. In dem Moment robbte Shila zu ihm rüber und leckte ihm über das Gesicht. Sie lag ganz eng an ihm und putzte ihn ausgiebig. Ich konnte richtig sehen, wie mein Oskar sich berhigte. Also legte ich mich auch zu den beiden, kuschelte mich eng an sie und graulte Oskar noch dabei an der Brust.

 

Das machte ich dann jedes Jahr und es wurde immer besser. Heute hat Oskar zwar immer noch Angst, aber er hat keine Panik mehr und er kann auch nach dem Feuerwerk ruhig einschlafen. Das ging früher nicht. Auch ist Oskar früher am nächsten Morgen nicht vor die Haustür gegangen.

Heute kein Problem mehr.

 

Meine Lilly hat auch Angst, allerdings nicht so extrem wie Oskar. Sie bellt nicht, will sich eher verstecken. Also darf sie auch unter meine Decke, mit mir und den anderen Hunden kuscheln. Das hilft Lilly schon sehr.

Mein Lou hat keine Probleme, genau wie Shila. Er schläft sogar bei den lauten Knallgeräuschen.

 

Mein Neuzugang Henry hat laut seinem ehemaligen Frauchen auch wohl etwas Angst, allerdings weiß ich nicht, wie sich das auswirkt bei ihm. Das werde ich wohl bald feststellen. Aber auf jedenfall darf auch der kleine Henry mit uns allen zusammen kuscheln und wird nicht allein gelassen.

 

Für mich steht also ganz klar fest: einem Hund Zuneigung verwähren, wenn er Angst hat, oder ihn dann ignorieren, ist für mich schon Tierquälerei. Der Hund ist ein hoch soziales Lebewesen. Er braucht die Nähe zu seinem Partner, egal ob Mensch oder Hund.

Meine Shila hat es mir beigebracht.

 

Daher würde ich mir wünschen, dass jeder Hund von seinem Besitzer an Silvester beschützt wird und das es dem Hund so angenehm wie möglich gemacht wird.

 

Eure Diana und ihre Hundeschnauzen