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Wenn Du willst, dass Du das Größte für Deinen Hund bist, dann lass den Quatsch!


Als ich vor 23 Jahren meinen ersten Hund bekommen habe, war dies das schönste Ereignis, was ich mir nur denken konnte. Ich war damals 15 und der Wunsch, einen eigenen Hund haben zu wollen, bestand bei mir schon, seit ich denken konnte.

 

Als Lou, eine Schäferhund-Neufundländer-Mischlingsdame, dann mit 8 Wochen bei mir einzog, war ich der glücklichste Mensch der Welt.

Natürlich hatte ich damals keine Ahnung von Hundeerziehung und machte viel falsch. Trotzdem war Lou ein toller, liebevoller Hund.

Aber so nach zwei Jahren entwickelte Lou sich zu einer der top Jägerinen unter den Hunden und zog an der Leine wie bekloppt. Also dachte ich, wir müssten uns so langsam mal um die Erziehung kümmern. Eine nette Bekannte von mir gab mir dann die Adresse von einem Schäferhundeverein. Da sollte ich doch mal hin gehen, da wird Lou schon erzogen.

 

Gesagt, getan. Eine Woche später standen wir zusammen mit einem Trainer auf dem Hundeplatz. Dieser bemängelte schon mal, dass Lou ein Lederhalsband trug. Ein Würgehalsband wäre doch viel besser.

Ah, ok.................

 

Dann sollte Lou Sitz und Platz vorführen, ich war stolz, dass sie das konnte, aber der Trainer meinte, das wäre zu langsam.

Ah, ok.................

 

Als der Trainer dann bei der Fuß-Übung wollte, dass ich Lou an der Leine zurück zerre und anbrülle, war es bei mir vorbei. Ich nahm Lou und ging mit ihr vom Platz und kam nie wieder.

 

Mir waren damals also schon diese Methoden bei solchen Vereinen nicht geheuer. Würgehalsband, zerren und anbrüllen? Ich? Meinen Hund? Niemals! Ich liebe meinen  Hund doch, warum sollte ich ihm also schädigen?

 

Und genau das denke ich heute immer noch. Leider gibt es aber noch genug Hundehalter, die meinen, man sollte seinem Hund Grenzen setzen. Natürlich, das denke ich auch. Es kommt allerdings darauf an, wie ich dies tue.

 

In vielen Hundeschulen ist man immer noch der Meinung, dass unerwünschtes Verhalten beim Hund korrigiert werden muss. Dabei wird der Hund angeschrien, angerempelt, körpersprachlich blockiert, auf den Rücken geworfen oder am Halsband gewürgt. Das solche Methoden aber leider oft keinen Erfolg haben, ist eigentlich logisch. Der Hund reagiert mit Stress, Meideverhalten und Abstand zum Besitzer.

Im ersten Moment funktioniert eine Korrektur auch, der Hund unterlässt sein unerwünschtes Verhalten. Aber nicht, weil er weiß, dass er gerade etwas Falsches tut, sondern vor Schreck oder aus Angst.

 

Da der Hund eben nun mal nicht weiß, warum er gerade eine Strafe bekommen hat, wird er unsicher. Er kann seinen Besitzer nicht einschätzen und dann kann es passieren, dass er andere Verhaltensweisen zeigt, die auch unerwünscht sind, wie anspringen, anbellen und in die Leine beißen. Oft tauchen schlechte Verhaltensweisen auch auf, ohne zunächst einen zusammenhang festmachen zu können, wie z.B. Stereotypien, Hyperaktivität, gesteigerte Aggression.

Manchmal gibt es dann auch Hunde, die in eine erlernte Hilflosigkeit verfallen. Diese Hunde tun lieber gar nichts mehr, bevor sie etwas falsch machen. Grauenvolle Vorstellung!

 

Aber wie setzt man Grenzen? Na indem man dem Hund sagt, was er stattdessen tun soll. Der Hund soll keine Passanten am Zaun anbellen? Na dann bring ihm doch bei, dass er Dir die Passanten anzeigt, indem er sich vor den Zaun setzt.

Oder der Hund soll keine Besucher anspingen? Na dann lobe ihn, wenn er noch alle vier Pfoten auf dem Boden hat.

Der Hund soll keine Jogger anbellen? Na dann gib ihm doch einfach etwas zu tragen ins Maul.

Jeder Hund zeigt vor dem unerwünschten Verhalten ein erwünschtes, welches man verstärken kann. Man muss dies nur erkennen können. Und wenn man anfängt, immer mehr erwünschtes Verhalten zu belohnen, desto weniger muss man unerwünschtes Verhalten korrigieren.

 

Die Bindung

Du hast bestimmt schon gehört, dass man eine gute Bindung zu seinem Hund aufbauen soll. Für mich ist es auch das A und O im Umgang mit unseren Hunden. Aber eine gute Bindung bekomme ich nicht, wenn ich meinen Hund anschreie, ihm weh tue, in aussperre, ihn ständig über irgendwelche Hindernisse kommandiere, ihn nicht artgerecht beschäftige oder ihn ignoriere. Schlecht ist es auch, wenn ich in meiner Kommunikation nicht deutlich bin, mein Hund eben nicht richtig erkennen kann, was ich von ihm möchte.

 

Deshalb beachte:

  • gehe immer mit Deinem Hund freundlich um
  • gebe ihm ausreichend Ruhezeiten
  • lobe Deinen Hund für erwünschtes Verhalten
  • wenn etwas im Training nicht klappt, mache dafür nicht Deinen Hund verantwortlich, sondern überlege, was Du falsch gemacht haben könntest
  • beschütze Deinen Hund, wenn er Angst hat
  • bei Dir passieren immer nur schöne Dinge
  • entdecke gemeinsam mit Deinem Hund die Umwelt
  • kuschel so oft es geht ausgiebig mit Deinem Hund
  • achte darauf, dass auch andere Menschen mit Deinem Hund freundlich umgehen
  • zwinge Deinem Hund keinen Kontakt zu Menschen oder anderen Tieren auf, wenn er es nicht möchte
  • mache ganz viele Dinge, die Euch beiden Spaß machen
  • lass Deinen Hund auch mal Hund sein

Wenn Du dies beherzigst, wirst Du mit Deinem Hund bessere Erfolge im Training haben, als wenn Du alt hergeholte Methoden anwendest. Dein Hund soll sich bei Dir wohl fühlen und im Ernstfall Schutz bei Dir finden können.

Natürlich kann es auch mal unangenehm bei Dir werden, wenn Du z.B. eine Zecke entfernen musst, Du deinen Hund beim Tierarzt festhalten musst oder Du Deinen Hund baden musst. Aber auch solche Dinge kann man vorab trainieren, damit es für den Hund angenehm wird.

 

Du findest es doch auch besser, wenn Dein Hund sich bei Dir wohl fühlt, er Schutz bei Dir sucht und wenn er sich auf Dich verlassen kann, nicht war?

 

Deshalb höre bitte nicht darauf, wenn wieder ein selbsternannte Hundeprofi sagt:"Du musst Deinem Hund aber mal klare Ansagen machen, damit er dies und das läßt. Zeig ihm mal, wer der Herr im Hause ist. Leg ihn mal auf den Rücken oder brülle ihn mal ordentlich an. Damit es auch so richtig Wirkung hat, schmeiße am besten noch eine Rütteldose nach ihm oder dreh ihm mal den Hals ab!"

 

So sollte niemand mit seinem Hund umgehen. Dadurch schädigt man die Bindung zueinander und es treten höchstwahrscheinlich noch mehr Verhaltensstörungen auf.

 

Hundetrainer vom alten Schlag würden die Hände über den Kopf schlagen, wenn sie zu mir nach Hause kommen würden und sehen, was meine Hunde so alles dürfen.

  • sie schlafen auf Bett und Couch, so wie es gerade gewünscht wird
  • sie liegen gerne auf erhöhten Liegeplätzen
  • sie liegen dauernd im Weg und ich muss über sie drüber steigen
  • sie gehen auch mal zuerst aus der Tür
  • sie bekommen Essen vom Tisch, auch mal vor mir, als erstes quasi
  • sie dürfen beim Gassi gehen überall schnüffeln wo sie wollen
  • sie werden für den Freilauf abgeleint, ohne das sie vorher irgendwelche Signale ausführen müssen
  • das Kommando "Fuß" gibt es bei uns nicht
  • sie dürfen sich mit Genuss in ekelhaften Dingen wälzen
  • meine Hunde dürfen bellen und knurren, ohne dafür gemaßregelt zu werden

Diese Liste könnte ich noch weiter fortführen. Es gibt noch zig Dinge, die meine Hunde dürfen, obwohl Rudelcheftheoretiker meinen, damit verziehe ich meine Hunde.

Dies ist aber nicht der Fall. Ich gehe respektvoll mit meinen Hunden um, achte auf die Bedürfnisse der Hunde, passe das Training individuell an, mache viel Quatsch mit ihnen, lasse sie einfach mal Hund sein und gebe ihnen natürlich ganz viel Schmuseeinheiten.

Jeder einzelne von meinen Hunden hat irgendeine Macke. Doch ich habe gelernt, diese Macken anzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Mein Oskar mag keinen nahen Kontakt zu fremden Menschen. Das zeigt er auch deutlich, wenn es ihm zu viel wird.

Mein Lou mag keinen Kontakt zu anderen Hunden. Auch er zeigt dies deutlich.

Meine Lilly würde am liebsten den Besuch bei mir Zuhause ständig kontrollieren und maßregeln.

Und Shila hasst fremde Hündinnen.

Da ich dies aber alles weiß, muss ich entsprechend handeln. Und nicht, indem ich meine Hunde dafür Strafe, sondern ihnen eben ihre Wünsche zugestehe, nämlich den Wunsch auf Abstand.

 

Es kann so einfach sein. Man muss eben nur seinen Hund kennen und wissen, was er möchte. Und man darf nicht ale Hunde über einen Kamm scheren. Jeder Hund ist individuell. Man kann nicht sagen:"Nur diese Methode ist gut."

Man muss nach Wegen schauen, die für sich und den Hund am besten sind. ABER ganz sicher ist - aversive Trainingsmethoden sind auf keinen Fall zu empfehlen!

 

Jetzt geht alle mal eine Runde mit Euen Hunden spielen oder schmusen und überdenkt dabei mal den Umgang zueinander.

 

Viel Spaß Euch heute bei dem tollen Wetter

 

Eure Diana und ihre Hundeschnauzen