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Hundebegegnungen ohne Leine- Freud und Leid


Ich bin ja ein totaler Freund von Hundeleinen. Ich habe davon mehrere Zuhause, in verschiedenen Längen und für verschiedene Zwecke. Ich besitze normale Führleinen mit einer Mindestlänge von 3 Meter, eine 20-Meter-Schleppleine, eine 5-Meter Schleppleine und drei Flexi-Leinen. Für jeden Hund und jede Situation eben die passende Leine.

Warum auch nicht, immerhin wurden diese Dinger ja auch für bestimmte Zwecke erfunden.

 

Manchmal habe ich aber das Gefühl, nicht jeder Hundehalter hat das verstanden. Manche sind sogar der Meinung, ihr Hund braucht gar keine Leine und darf überall frei laufen.

Ich sag mal so: Wenn der Hund niemals jagen geht, keine Menschen anspringt, immer lieb und brav zu anderen Hunden ist, nicht in fremden Gärten oder Höfen herumläuft, keine Angst vor lauten Geräuschen hat, keine Kinder beißt, keinen Fahrradfahrer oder Jogger hinterher hetzt, immer abrufbar ist, niemals einfach so aus der Haustür stürmt, nicht die Katze oder das Kaninchen vom Nachbar tötet, nicht zu angeleinten Hunden hin stürmt und auch nicht alleine in der Gegend rum streunert, ja dann braucht der Hund eventuell keine Leine.

Doch ich bin davon überzeugt, dass es solch einen Hund nicht gibt.

 

Natürlich ist es für unsere Hunde das schönste, wenn sie frei laufen können. Über die Wiese rennen, nach Mäusen buddeln, Rennspiele machen, sich wälzen, mit Kumpels raufen oder einfach nur gemütlich traben und schnüffeln wo man will.  Wenn es möglich ist, sollte jeder Hund dies erleben dürfen.

 

Doch damit dies möglich ist, muss man eben vieles beachten. Der Rückruf sollte bombensicher sein. Ist dies nicht der Fall (oder nocht nicht), sollte man den Hund entweder an der Schleppleine lassen oder ihn auf eingezäunten Gelände laufen lassen. Und natürlich am Rückruf arbeiten.

Gerade jetzt in der Zeit, wo die Heuwiesen recht hoch gewachsen sind, muss man besonders aufpassen. Dort verstecken sich viele andere Tiere, die nicht gestört werden sollten.

 

Genauso begegnen uns auf Wegen immer wieder andere Menschen. Kleine Kinder, Wanderer, Fahrradfahrer und Jogger. Und in der heutigen Zeit kann man es sich einfach nicht mehr leisten, dass der eigene Hund diese belästigt, indem er auf sie zu rennt, diese anbellt oder anspringt. Eine Anzeige beim Ordnungsamt ist schnell gemacht.

 

Dann gibt es noch die sogenannten Dorfstreuner. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn mich ein fremder Hund besucht oder entgegenkommt. ABER meine Hunde finden es nicht so prickelnd, wenn plötzlich ein fremder Hund vor meinem Grundstück sitzt oder beim Gassi gehen auf uns zu läuft. Das heißt nicht, dass meine Hunde sich nicht mit anderen Hunden verstehen. Aber eben nicht mit jedem und schon gar nicht in ihrer Wohlfühlzone.

Und auch viele Dorfbewohner bei mir haben damit ein Problem, wenn ein fremder Hund sein Geschäft auf dem frisch gemähten Rasen hinterläßt oder die Müllsäcke plündert.

Ich kann sehr gut verstehen, wieso manche Menschen sich über uneinsichtige Hundehalter beschweren.

 

Natürlich ist es bei mir in der kleinen Dorfidylle nicht ganz so tragisch. Für viele hier gehören Hunde einfach dazu. Doch es gibt eben auch Menschen, die Hunde nicht so gerne haben oder eben von ihnen genervt sind, sogar Angst vor ihnen haben. Und diese Menschen muss man ja nicht provozieren oder ärgern.

 

Was mich persönlich aber am meisten nervt: Meine Hunde sind an der Leine und ein Fremdhund stürmt auf uns zu. Damit meine ich nicht, dass meine Hunde an der Leinen generell keinen Kontakt haben dürfen. Sondern dieses schnell auf uns zu rennen, meist bellend oder knurrend.

Ich habe zum Glück für meine Hunde ein spezielles Management-Konzept für diese Situationen. Aber es ist eben mit Stress verbunden. Und das muss ja nicht sein.

Ich hätte nichts dagegen, wenn man sich vorher absprechen dürfte, ob man einen Begegnung zulassen kann, auch an der Leine. Dazu müsste aber eben auch der Fremdhund gesichert sein, oder zumindest so trainiert sein, dass er bei seinem Halter bleibt.

 

Und da wären wir wieder bei der Leine. Warum leint man einen Hund nicht einfach an? Warum haben damit viele Menschen ein Problem? Viele Leute schimpfen immer über Kleinhundebesitzer, weil diese Hunde so viel kläffen oder auch mal zuschnappen. Aber vielleicht ist dieser Kleinhund schon des Öfteren von großen Hunden überrant worden und er zeigt nun so seinen Unmut, weil er einfach Angst hat.

Anders herum geht es auch. Manche großen Hunde reagieren genervt, sogar aggressiv auf kleine Hunde. Ja, vielleicht deshalb, weil kleine Hunde sie schon öfters angeknurrt oder auch gezwickt haben.

 

Auch wenn man mit seinem freilaufenden Hund unterwegs ist und man trifft auf einen angeleinten Hund, sollte man seinen Hund anleinen. Man kann ja nie wissen, wie der andere Hund gerade drauf ist. Vielleicht ist er ja auch krank, hatte gerade eine OP hinter sich, oder möchte einfach keinen Kontakt, aus welchem Grund auch immer.

Natürlich hatte auch ich schon Situationen, wo einer meiner Hunde zu einem anderen Hund hin gerannt ist. Sehr peinlich und unangenehm. Zum Glück ging das immer gut aus, auch wenn mein Oskar sich mal mit einem Husky gekloppt hat.

Aber solche Situationen brachten mich zum Nachdenken und ich wollte das auch nicht. Also musste ich anfangen, daran zu arbeiten.

Meine Hunde sind meistens an der Leine. Das finden die vier auch gar nicht schlimm. Denn die Leine gibt ihnen auch Sicherheit. Außerdem kann man ganz viele schöne Dinge an der Leine machen. Und meine beiden Mädels kann ich auch super an der Flexi-Leine führen.

Ich kenne genug Hunde, die niemals frei laufen können und auch damit kein Problem haben. Ich sehe nicht, dass diese Hunde in irgendeiner Weise unglücklich wären.

 

Bevor man überlegt, seinen Hund frei laufen zu lassen, sollte man immer gut abwägen, wo und wann man dies zulassen kann. Es sollte Rücksicht auf Mensch und Tier genommen werden. Und man muss sich im klaren sein, was man anrichten kann, wenn der eigene Hund einfach so zu einem anderen Hund hin stürmt. Es könnte ein Angsthund sein oder ein Hund, der gerade im Training ist und er somit wieder ein Schritt zurück geworfen wird.

Im schlimmsten Fall könnte es dem eigenen Hund sogar das Leben kosten.

 

Menschen denken immer, Hunde brauchen viel Auslauf und viel Kontakt zu anderen Hunden. Dies ist aber nicht ganz richtig.

Wieviel Auslauf ein Hund benötigt, hängt von seiner Rasse, seinem Alter und seiner sonstigen Beschäftigung ab.

Nur weil ein Hund zweimal am Tag zwei Stunden Gassi geht, heißt das noch lange nicht, dass er auch ausgelastet ist. Es kommt eben darauf an, wie er bei den Spaziergängen und Zuhause beschäftigt wird.

Und Kontakt zu fremden Hunden benötigen die allermeisten Hunde eben dann doch nicht. Jeder Fremdhund ist erst einmal ein Eindringling und kein Spielkumpel. Sie müssen sich erst einmal neu kennen lernen und wägen ab, wie der andere so drauf ist. Und wenn es nicht passt, dann knallt es eben. Aber ob ein Hundekontakt funktionieren kann, kann man als geschulter Hundehalter auch vorher schon an der Körpersprache der Hunde erkennen, wenn er angeleint ist oder bei sich gehalten wird.

Wenn man merkt, einer der Hunde wird steif und fixiert, dann sollte man lieber dieser Begegnung aus dem Weg gehen.

 

Die komischste Begegnung, die ich mal hatte, war mit meinem Lou. Er mag meistens keinen Hundekontakt.

Ich war mit ihm unterwegs, als ich von weitem schon einen Hund mit seiner Halterin an der Sraße stehen sah. Der Hud ist mir bekannt und ich wußte, das wird nix. Die Halterin unterhielt sich mit einer anderen Person, hatte ihren Hund an der Leine, achtete aber nicht sonderlich auf ihn.

Ich wollte eigentlich an ihnen vorbei gehen, natürlich mit einem gewissen Sicherheitsabstand, aber als ich bemerkte, dass der andere Hund drohfixierte, blieb ich stehen. Lou war auch schon aufmerksam, also vollzog ich mein Standardprogramm-Click für Blick, Handtouch, Seitenwechsel, Clicl-Leckerchen. Alles gut. Lou machte schön mit.

Ich wollte dann auch die Richtung wechseln, da schoß der andere Hund in die Leine, kläffte und fletschte die Zähne.

Und dann kam das merkwürdige: Die Frau fing an zu lachen und rief mir zu:" Ach herje, wenn die ohne Leine wären, dann würden die bestimmt spielen."

 

Hä???????????????

 

Ne, würden die bestimmt nicht. Ich machte schnell, dass ich da weg komme. Und leider gibt es immer noch sehr viel Unverständnis zu diesem Thema, was mich auch dazu bewogen hat, diesen Artikel zu schreiben.

 

Wer mehr dazu wissen möchte, kann gerne zu mir in den Kurs Leinenführigkeit kommen. Da werde ich es für Euch noch einmal genauer erläutern.

 

Bis zum nächsten Mal.

Eure Diana